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Interview

«Ich ver­arbeite Krisen mit Humor»

Terror statt Romantik in der Stadt der Liebe. Die Geschichte von «The Attaché» ist wahr. Eli Ben-David hat sie erlebt.

Attache

Ehekrise: Avshalom und Annabelle entfremden sich in ihrer neuen Heimat Paris.

ZVG

Er spricht die Sprache nicht, hat keine Freunde und keine Arbeit: Für Avshalom kommt es aber noch schlimmer. Nur wenige Stunden nachdem der israelische Jude marokkanischer Abstammung in Paris landet, wird die Stadt zum Ziel islamistischer Terroranschläge, bei denen 130 Menschen ums Leben kommen. Eli Ben-David erzählt in «The Attaché» seine ganz persönliche Geschichte – von Paranoia und Chaos. Es ist aber auch eine Geschichte voller Poesie und Kraft.

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Streaming: Sie haben das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und waren Hauptdarsteller. Das klingt anstrengend.

Eli Ben-David: Ja, wobei ich erwähnen muss, dass Héloïse Godet, die meine Frau spielt, beim Drehbuch mitgeschrieben hat. Und ja, leider habe ich auch mich selber gespielt.

Weshalb leider?

Weil ich mir das eigentlich nicht auch noch aufhalsen wollte. Doch die Produzenten drängten mich sehr dazu, die Rolle zu spielen. Sogar meine Frau liess mir keine Ruhe. Aber ich sage Ihnen etwas: Es wird nie wieder passieren, dass ich all das gleichzeitig mache.

Wie nah ist die Geschichte von Avshalom an Ihrem Leben?

Alles, was Avshalom erlebt, habe ich erlebt. Ich bin 2015 mit meinem Sohn und meiner Frau nach Paris gezogen, wo sie an der israelischen Botschaft eine Stelle als Attaché antrat.

Das war kurz vor dem 13. November – dem Tag der Terroranschläge.

Genau. Die waren sozusagen meine Willkommensparty.

Avshalom spricht kein Französisch. Und auch mit seinen Englischkenntnissen kommt er nicht weit. Sprechen die Franzosen echt kein Wort Englisch?

Ganz so schlimm ist es nicht. Aber lassen Sie mich das erklären: Die Franzosen sind Fremden gegenüber sehr offen. Sie heissen sie willkommen, geben ihnen Rechte und Schutz. Und sie wollen sie integrieren. Sie schicken sie sogar gratis in den Französischunterricht. Für Franzosen ist es selbstverständlich, dass man ihre Sprache spricht.

Und? Ist Ihr Französisch mittlerweile besser geworden?

Ich hoffe es. Ich hoffe es! Lass uns hoffen, Mann! (Lacht.)

Die Szenen, in denen Avshalom seinen Sohn aufzuheitern versucht, erinnern stark an den Film «La vita è bella». Absicht?

Ja. Ich halte Roberto Benigni für ein Genie und seinen Film «La vita è bella» für ein Meisterwerk. Als ich meinen Sohn am ersten Tag in den Kindergarten brachte, entdeckten wir dort eine Gedenktafel mit Namen von jüdischen Kindern, die ins KZ deportiert worden waren. Ich wusste nicht, wie ich ihm das erklären sollte, und erfand im Affekt eine harmlose Geschichte dazu.

Sie betrachten die Absurditäten Ihres Pariser Alltags mit einer gewissen Heiterkeit. Es gibt viel zu lachen.

Sie haben vorhin Roberto Benigni angesprochen, der eine Komödie drehte, die im KZ spielt. Ich glaube, als Jude ist es mein Recht, den Holocaust mit schwarzem Humor aufzuarbeiten. Humor wie auch die Musik sind gute Mittel, um schwere Zeiten und Krisen zu verarbeiten. Ich habe auch schon Menschen an Beerdigungen lachen sehen. Lachen ist der Zwillingsbruder des Weinens.

Ohne das Ende der ersten Staffel zu verraten: Gibt’s Stoff für eine zweite?

Absolut. Die Serie kam an und hat international für Aufsehen gesorgt. Die wollen jedenfalls eine zweite Staffel. Ich bin noch nicht sicher und muss mir das erst gründlich überlegen.

Ihre Frau und Sie streiten sich in der Serie wiederholt heftig. Sind Sie beide noch zusammen?

Aber ja! Und wir leben nach wie vor in Paris. Eigentlich habe ich eine Liebesgeschichte über Konflikte erzählt. Ich kämpfe lieber, als dass ich aufs Maul sitze. Kämpfen und Streiten gehören zum Leben. Ich behaupte sogar, du kannst nicht jemanden lieben, mit dem du dich nicht hin und wieder so richtig heftig zoffst.

The Attaché – La Grande Détonation
Von Mischa Christen am 30. April 2021 - 11:21 Uhr
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