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Interview

Hauptdarsteller Mark Waschke: «Viele Visionäre gingen leer aus»

Mark Waschke über die Botschaft hinter «The Billion Dollar Code», Die Relevanz von Untertiteln und warum er bald in die Schweiz kommt.

©Joachim Gern/photoselection

Mark Waschke (49) ist «Tatort»-Kommissar und spielte den stoischen Noah in «Dark» (Netflix). 

JoachimGern / photoselection

Streaming: «The Billion Dollar Code» erinnert an den Kampf von David gegen Goliath. Ist es ein politischer oder ein gesellschaftlicher Kampf?

Mark Waschke: Ein politischer, der viel Privates der Protagonisten einflechtet. Und dieser Kampf beginnt in einer Zeit, die ich selber noch gut kenne: die 90er in Berlin.

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Die Serienschöpfer wollen von jenen erzählen, die das Internet mitentwickelt haben, aber heute nicht im Rampenlicht stehen oder reich wurden.

Genau da liegt für mich der springende Punkt. Das Internet ist einfach da. Keiner von uns hat darüber abgestimmt, in welcher Form wir das benutzen bzw. es uns benutzt. Es wurde ursprünglich von Visionären mit progressiven Gesellschaftsideen entwickelt. Von Künstlern, die Menschen zusammenbringen wollten.

Und diese Visionäre gingen leer aus?

Grösstenteils. Viele von denen, die ganz am Anfang die ersten Ideen mitgestalteten, haben weder was von der grossen Kohle abgekriegt, noch waren sie an den weiteren Entwicklungsprozessen beteiligt.

Wer beherrscht denn heute das Internet?

Die Netflix-Doku «The Social Dilemma» bringt klar auf den Punkt, wie stark etwa Werbeinteressenten, die das Internet in der Hand haben, auf uns einwirken. Die manipulieren uns in einer Weise, die geradezu dystopisch ist. In Deutschland können wir mit demokratischen Wahlen die Struktur unserer Gesellschaft beeinflussen. Auf jene des Internets haben wir null Einfluss. Ich finde das skandalös.

Google kommt in der Serie nicht wirklich gut weg. Wissen Sie, ob der Konzern dagegen vorgegangen ist?

Nein, das weiss ich nicht. Aber wir behaupten ja auch keine Dinge, die so nicht stattgefunden haben.

Wie kamen Sie denn zur Rolle des Carsten Schlüter?

Über ein Casting. Simone Bär, dieselbe Casterin wie bei «Dark», schlug Mišel Matičević und mich für die Rollen vor und musste noch zwei jüngere Pendants von uns finden. Das hat sie einmal mehr hervorragend hingekriegt. Ich bin sehr zufrieden mit der Wahl von Leonard Scheicher und Marius Ahrendt.

Mišel Matičević soll für die Rolle 20 kg zugenommen haben.

Ja, das hat er tatsächlich. Es war unansehnlich (lacht). Im Ernst: Ich bewundere das an Mišel. Dieses körperliche Reinwerfen hat er schon bei anderen Rollen zelebriert.

Würden Sie das auch tun?

Mein Problem ist, dass ich einen Metabolismus habe, um den mich viele beneiden. Ich esse wahnsinnig gerne und löffle zu einer guten Serie schon mal einen Eisbecher leer. Bei mir bleibt das aber kaum hängen, bzw. ich hätte die Pfunde bis zum Drehzeitpunkt wieder runter.

Da die Serie u. a. auch in den USA spielt, hat sie viele englische Untertitel. Wann überfordert man damit das Publikum?

Ich glaube nicht, dass man das Publikum mit Untertiteln überfordert. Gerade Sie in der Schweiz mit Ihrer Sprachenvielfalt sind ja Untertitel gewohnt. Von der Serie «Dark» weiss ich, dass viele Menschen im Ausland die im Original mit Untertiteln schauten, weil sie die deutsche Sprache so gerne hören. Ich selber tu mir gar keine synchronisierten Produktionen mehr an. Wenn möglich immer im Original – und wo nötig mit Untertiteln. Im Lockdown hatte man ja viel Zeit zum Seriengucken.

Apropos: Hat die Pandemie den Dreh der Serie beeinträchtigt?

Es gab ein Ampelsystem, wir trugen Masken, und alle zwei Tage wurden wir getestet. Trotzdem musste der Dreh wegen Infektionsfällen im Team zweimal unterbrochen werden. Das war noch, bevor man sich impfen lassen konnte. Heute ist die Lage entspannter. Ich kann daher nur sagen: Lasst euch bitte impfen!

Reisen Sie auch wieder?

Ja. Und bald bin ich sogar in Zürich. «The Billion Dollar Code» feiert nämlich am 1. Oktober Weltpremiere am Zurich Film Festival.

Von Mischa Christen am 29.09.2021
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