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Interview

«Domina»-Hauptdarstellerin Kasia Smutniak: «Livia Drusilla war die erste Feministin»

Auch im Interview kämpft «Domina»-Hauptdarstellerin Kasia Smutniak (41) für die Rechte der Frauen.

«Domina» Kasia Smutniak spielt als Livia Drusilla ihre anspruchsvollste Rolle.

«Domina»: Kasia Smutniak spielt als Livia Drusilla ihre anspruchsvollste Rolle.

Imago

Streaming: Was hat Sie an der Rolle der römischen Kaisergattin Livia Drusilla gereizt?

Kasia Smutniak: Ich fand es spannend, die erwachsene Version dieser Frau zu spielen. Denn ich stehe an einem Punkt im Leben, an dem ich meine Rolle als Frau in der heutigen Gesellschaft immer wieder hinterfrage. Umso spannender fand ich es, das alte Rom durch Livias Augen neu kennenzulernen. Denn das römische Reich ist ja die Basis unserer westlichen Zivilisation. Und die schauspielerische Herausforderung war riesig für mich.

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Was können wir von solch starken Frauenfiguren lernen?

Eigentlich ganz viel, denn Livia war sozusagen die erste Feministin. Sie kämpfte für sich selbst und die Rechte der Frauen, indem sie die Männer gezielt für ihre Zwecke beeinflusste und so indirekt über viel Macht verfügte. Dies ging so weit, dass sie den grössten Feind ihrer Familie, Octavian, heiratete, um die Republik wiederherzustellen und ihre Kinder zu schützen.

Haben Sie vorher schon jemals von Livia gehört?

Nicht gross, denn die ganze historische Geschichtsschreibung erfolgte ja primär von Männern. Dasselbe gilt für die Kunst: Wie wenn Frauen damals kein Talent gehabt und sich nur um den Haushalt und die Kinder gekümmert hätten. Umso wichtiger ist es, Livias Geschichte zu erzählen und eine neue Sicht auf die Dinge zu zeigen. Ich komme aus Polen und lebe heute in Rom, wo viele Orte nach Livia benannt sind. Ein Restaurant ganz in der Nähe meines Wohnortes trägt etwa ihren Namen. Es muss ja nicht immer Kleopatra sein, die wegen ihrer zahlreichen Verfilmungen in der breiten Öffentlichkeit viel bekannter ist.

Im alten Rom war die gesellschaftliche Stellung eines Menschen von Geburt an vorgegeben.

Genau. Ein Sklave musste dienen, genauso wie seine Nachkommen. Frauen waren primär da, um Kinder zu gebären und ihrem Mann zu gehorchen. Aber alle diese Menschen waren nie frei. So gesehen waren sie allesamt gefangen im System.

Bekommen Sie heutzutage stärkere Frauenrollen angeboten als früher?

Ja, denn viele Dinge sind heute anders als vor 20 Jahren. Aber wir stehen erst am Anfang eines Prozesses. Nur starke Frauengeschichten reichen nicht aus. «Domina» möchte etwas Neues tun. Ich bin auf viele Elemente dieser Serie sehr stolz. Wir wollen das Interesse der Leute an der damaligen Zeit wecken.

Und wer genau soll sich diese Serie letztlich anschauen?

Dank Streamingdiensten erreichen wir viele junge Menschen. Ich möchte, dass auch meine Tochter von Livias Werdegang erfährt. Denn eigentlich ist «Domina» ja auch eine Teenie-Serie («Domina»-Review hier).

Zum Schluss: Wie haben Sie den Lockdown überstanden?

Es war verrückt. Wir mussten die Dreharbeiten auf halber Strecke ohne grosse Verabschiedung unterbrechen und im Sommer fortsetzen. Das war nicht einfach, denn wir hatten alle auch Angst. Aber irgendwie hat uns das zusammengeschweisst. Fast wie eine Familie.

Von Mohan Mani am 28. Mai 2021 - 11:11 Uhr
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