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The Morning Show – «Tabubrüche sind eine Erleichterung»

Die Frauen hinter «The Morning Show» machten im Pandemiejahr aus der Not eine Tugend.

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«The Morning Show»: Jennifer Aniston und Reese Witherspoon

Am Drücker Aniston (l.) und Witherspoon (r.) haben vor und hinter der Kamera das Sagen.

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Es gibt kaum eine Serien- oder Filmproduktion, die in den vergangenen 18 Monaten nicht von der Coronakrise tangiert war. Unterbrochene Dreharbeiten, Maskenpflicht, strikte Hygieneregeln am Set gehörten für alle zur neuen (Ab)normalität.

Auch «The Morning Show», die prestigeträchtige Dramaserie von Apple TV+, musste die Dreharbeiten unterbrechen. Jennifer Aniston, die wie Reese Witherspoon nicht nur eine Hauptrolle spielt, sondern die Show auch mitproduziert, erinnert sich im Gespräch mit «Streaming»: «Wir hatten die ersten Szenen gedreht, als die Produktion unterbrochen wurde. Dann liessen wir die Drehbücher umschreiben wegen der Covid-Pandemie.»

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Denn anders als bei anderen Serien wurde die Thematik um die globale Krise in die Handlung miteingebunden. Aniston: «Ich bin froh, dass wir keine Sci-Fi-Serie oder keinen Western gedreht haben, bei denen es keinen Bezug zum heutigen Weltgeschehen gibt. Wir drehten nach der Pause nicht einfach weiter, sondern wir sind in die Thematik eingetaucht und haben sie in die Show miteinbezogen.»

Das ist durchaus gelungen. Als Zuschauer beschleicht einen ein flaues Gefühl, wenn man den Protagonistinnen zuschaut, wie sie optimistisch ins Jahr 2020 starten und sich nur Wochen später über das Virus irgendwo in China lustig machen. Schliesslich hadern sie mit Begriffen wie «Social Distancing» und sinnieren über den Nutzen von aufgestellten Plexiglaswänden.

Wir Zuschauenden wissen, welch taffe Zeit auf die ahnungslosen Figuren in «The Morning Show» zukommt, und sehen machtlos zu, wie sie ins Verderben laufen.

Reese Witherspoon bringt es auf den Punkt: «Wir befinden uns zu Beginn der 2.Staffel an dem Punkt, bevor die ganze Welt runtergefahren wurde. Wir waren alle total mit uns selbst beschäftigt, mit unseren Zielen und Plänen. Und dann kommt etwas, das grösser ist als wir alle.»

So eine globale Krise ist keine leichte Kost. Es kommen aber noch weitere Brocken hinzu. Witherspoon: «Es geht um Rassismus in der Medienindustrie, Sexismus, Homophobie und Altersdiskriminierung.»

Schliesslich gilt es, die Schuld, die jeder von der 1. Staffel noch mit sich herumträgt, zu sühnen und zu verarbeiten. So schmort der Sexgrüsel Mitch Kessler (Steve Carell) in Norditalien (der perfekte Ort für den Beginn der Coronakrise…!), und der geschasste Produzent Chip (Mark Duplass) frönt scheinbar happy dem beschaulichen Alltag bei einem Regionalsender.

War «The Morning Show» in der 1. Staffel noch eine ironische Mediensatire, mutet sie in Season 2 eher an wie eine moralinsaure Tragödie. Jede Figur erlebt fiese Tiefschläge – auf der Gewinnerseite steht irgendwie niemand mehr.

Aniston verteidigt das Ausleuchten von problembehafteten Themen: «Wenn du dir ein Thema vorknöpfst, von dem alle denken, es sei tabu, und du dann das Unaussprechliche ansprichst, ist es für viele Zuschauer eine Erleichterung. Sie denken: Das bin ich! So fühle ich mich! Und es gibt andere Leute, die auch so fühlen.»

Nebst heavy Themen bleibt «The Morning Show» eine clever gemachte Serie mit grossartigem Cast, der wir eine dritte, weniger problembeladene Staffel wünschen.

The Morning Show ★★★☆☆

Apple TV+ | Dramaserie | 2. Staffel

Mit Jennifer Aniston, Reese Witherspoon, Julianna Margulies, Billy Crudup, Mark Duplass

Düsteres und zeitgemässes Spiegelbild der Gesellschaft 

USA 2021

Von Simone Reich am 3. Januar 2022 - 16:48 Uhr
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