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Kleo – Killer-Skills

Die fallengelassene DDR-Spionin «Kleo» veranstaltet in sechs Folgen ihre persönliche Vendetta.

Kleo

Den Todes-Cocktail serviert Kleo (Jella Haase) mit einem kecken Spruch.

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Sie zerstörten ihr Leben. Jetzt sind sie dran, einer nach dem anderen. Wir schreiben das Jahr 1987: Die DDR-Spionin Kleo (Jella Haase) liquidiert im Auftrag der Stasi einen Geschäftsmann in Westberlin. Kurz darauf wird sie von der Stasi unter vorgeschobenen Gründen ins Gefängnis gesteckt, wo sie Misshandlung und Demütigung erleidet. Als zwei Jahre später die Mauer fällt, kommt Kleo als politische Gefangene frei und findet heraus, dass an der Intrige ihr eigener Grossvater beteiligt war: ein mächtiger Stasi-Offizier, der sie einst zur Kampfmaschine gedrillt hatte.

So begibt sich Kleo auf einen Rachefeldzug, der sie durch ein anarchisches Berlin mit selbstgebastelten Techno-Clubs bis in die chilenische Atacama-Wüste führt. An ihre Fersen heftet sich ein tapsiger Westberliner Polizist, der sich einen Karriereschub verspricht, wenn er Kleo stellt. Zudem eröffnet ein Profikiller mit Befehl «von janz oben» die verbissene Jagd auf die einstige Vorzeige-Spionin.

Schalldämpfer, Koffer mit integrierten Maschinenpistolen und tödliche Kugelfischgift-Cocktails – als ehemalige Stasi-Killerin kennt sich Kleo mit kreativen Tötungsarten bestens aus. Wenn sie mordet, reisst sie mit einem kecken Spruch gerne mal das Stimmungsruder herum. Das macht aus «Kleo» einen Mix aus Action, Komödie, Thriller und Drama, der sich in einer poppigen Comicwelt die DDR-Absurditäten vorknöpft.

Die Schweizerin Viviane Andereggen, die bei vier Folgen Regie führte, war fasziniert von der Aufgabe, die Balance zwischen Humor und Brachialgewalt zu finden, und ordnet «Kleo» irgendwo zwischen «Kill Bill»und «Killing Eve» ein.

Ihr war es auch wichtig, dass die wütende Antiheldin eine Frau ist, da in der Fiktion radikale Frauenfiguren nicht häufig erzählt würden: «Oft geht es um die Abbildung von Stereotypen, wie etwa die moralisch integre Frau, die unglückliche Geliebte oder eine Frau, die gerettet werden muss. Ich will weibliche Hauptrollen vielschichtig und selbstbewusst gestalten – wie es sich für 2022 gehört!»

Dass hier auch das Bild des bösen Russen gemalt wird, ist laut Andereggen nicht problematisch, zumal «Kleo» vor dem Ausbruch des Ukrainekriegs geschrieben wurde: «Wir diskutierten den Austausch kritischer Songs. Da wir es aber mit einer historischen Erzählung zu tun haben, gingen wir konsequent unseren Weg.» Historisch? Obwohl im Vorspann die widersprüchliche Aussage steht: «Dies ist eine wahre Geschichte. Nichts davon ist wirklich passiert.»? Die Regisseurin lacht: «Ja, historisch, weil es 1989 spielt und wir Versatzstücke aus der Realität nahmen und sie zu einer neuen, fiktiven Geschichte verbauten.»

Möglicherweise schoss man in der Euphorie etwas übers Ziel hinaus. Kleos böser Humor wirkt streckenweise etwas gar aufgesetzt. Auch das Farbschema ist ziemlich plakativ auf Retro getrimmt. Dennoch unterhält die Serie mit einem Plot, der sich geradlinig fortbewegt und immer wieder Überraschungsmomente bereithält. Zusatzbonus: Set-Design und die nostalgische Musik sind spitze.

Viviane Andereggen

Viviane Andereggen

Die 37-jährige Regisseurin wuchs in Zürich und Budapest auf. Sie führte Regie bei den «Tatort»-Folgen «Züri brännt» und «Schoggiläbe».

Natalia Rudciewicz/PR
Kleo ★★★☆☆

Netflix | Action-Dramedyserie | 1. Staffel

Mit Jella Haase, Dimitrij Schaad, Vladimir Burlakov

D 2022, ab 19. August 2022

Von Mischa Christen am 18. August 2022 - 20:09 Uhr
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