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Netflix

Hoch gestapelt, tief gefallen

Was für ein unfassbares Lügengebilde! «Inventing Anna» erzählt die wahre Geschichte einer fiesen Hochstaplerin – verkörpert von Julia Garner.

Inventing Anna. Julia Garner as Anna Delvery in episode 102 of Inventing Anna. Cr. David Giesbrecht/Netflix © 2021

Arrogant und elegant: Julia Garner als Anna Delvey in «Inventing Anna» (Netflix). 

David Giesbrecht/Netflix

Die Story ging um die Welt: Eine junge Frau namens Anna Delvey gab sich als Tochter eines deutschen Millionärs aus und wickelte die New Yorker High Society um den Finger. Nobelhotels, Banken und sogar Freunde wurden von ihr um Millionen von Dollar geprellt. 2019 wurde Anna Delvey, die eigentlich Anna Sorokin heisst, wegen Hochstapelei zu 4 bis 12 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nun wird die Story in einer Miniserie erzählt. Als ob die Geschehnisse nicht schon fesselnd genug wären, wurden diese von Drehbuchschreiberin und Produzentin Shonda Rhimes (lesen Sie hier mehr zu Shonda Rhimes) mit einer smarten Nebengeschichte verflochten.

Im Zentrum der Story steht nämlich nicht nur Anna Delvey (Julia Garner), sondern auch die Journalistin Vivian (Anna Chlumsky), die Annas Fall recherchiert. Dafür legt sie sich einerseits mit ihren Vorgesetzten und Annas Strafverteidiger an, andererseits kämpft sie gegen einen dramaturgisch clever gesetzten Countdown in Form ihres stetig wachsenden Babybauchs.

Schafft es Vivian, Annas Story noch vor der Niederkunft fertigzustellen? Ihre Recherche und ihre Gefängnisbesuche bei Anna werden mit unzähligen Rückblenden verwoben, die das Bild einer jungen Frau zeichnen, die jeden Menschen in ihrer Umgebung manipuliert und für ihre Zwecke instrumentalisiert. Hochnäsig, selbstverliebt, markenversessen – und nie um eine Ausrede verlegen.

Die stets todchic gekleidete Anna hatte die Vision, einen (natürlich nach ihr benannten) exklusiven Club zu eröffnen, in dem man der Kunst, der Haute Couture und superteurem Champagner frönen konnte. Dazu brauchte sie zahlungskräftige Investoren und vertröstete alle, die ihr Geld gepumpt hatten, mit der Ausrede, ihr rücksichtsloser Vater oder ihre träge Bank hätten leider die Überweisung verschlampt.

So kam es, dass sie kaum je einen Dollar ausgeben musste, sondern sich von allen aushalten und finanzieren liess. Selbst im Gefängnis spinnt sie ihr fieses Spiel weiter: Per Telefon nötigt sie Mitarbeiter ihres Anwalts, für den Prozess gefälligst Designerklamotten zu besorgen. Denn eine Anna Delvey würde sich niemals im Knast-Overall präsentieren. Einsicht? Fehlanzeige!

«Inventing Anna» lässt einen fassungslos zurück. Einerseits wegen der Gutgläubigkeit und der Naivität der Menschen, die Anna um sich schart, aber auch wegen der eiskalt berechnenden Anna. Einen starken Eindruck hinterlässt auch der Auftritt des deutschen Charakterkopfs Peter Kurth, der Annas Vater Vadim spielt.

Inventing Anna ★★★★☆

Netflix | Miniserie
Mit: Julia Garner, Anna Chlumsky, Arian Moayed, Peter Kurth u.a.

USA 2022, ab 11. Februar 2022

Von Simone Reich am 3. Februar 2022 - 10:34 Uhr
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