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West Side Story – Noch tanzen sie

Spielberg lässt das New Yorker Musical «West Side Story» neu aufleben, mit zu viel Respekt.

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Ariana DeBose as Anita and David Alvarez as Bernardo in 20th Century Studios’ WEST SIDE STORY. Photo by Niko Tavernise. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation.  All Rights Reserved.

Fiesta Latina: Bernardo (Alvarez, M.) und seine puerto-ricanischen Freunde.

Photo by Niko Tavernise

Die Liebenden tanzend zwischen dampfenden Dolendeckeln und auf Feuerleitern: 1961 versetzte die Filmversion des Broadway-Stücks «West Side Story» Romeo und Julia nach Manhattan. Es wurde ein Hit, auch wegen der Musik von Leonard Bernstein: Dieser Mix aus Jazz, Latinoklängen und Balladen war brandneu. Als man vernahm, Steven Spielberg plane ein Remake, durfte man gespannt sein, wie er den Klassiker in die heutige Zeit adaptieren würde, ins gentrifizierte New York. Leider hat er sich für ein rein nostalgisches Remake entschieden.

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Der Film spielt Ende der 50er in der Westside von Manhattan, rund ums Lincoln Center. Das schäbige Viertel wird erneuert, die Häuser abgerissen. Die Strassen werden beherrscht von zwei Banden: den weissen Jets und den puerto-ricanischen Sharks, die sich ständig provozieren. Anführer der Jets sind Riff und sein bester Freund Tony (Ansel Elgort), der gerade aus dem Knast entlassen worden ist. An einer Tanzveranstaltung, wo die zwei verfeindeten Gruppen aufeinandertreffen, lernt Tony die hübsche Latina Maria (Rachel Zegler) kennen. Die beiden verlieben sich beim ersten Tanzschritt. Maria ist aber ausgerechnet die Schwester von Bernardo (David Alvarez), dem heissblütigen Anführer der Sharks. Aus Wut fordert Bernardo Tony heraus: So treffen sich die beiden abends mit ihren Gangs zu einem Schlagabtausch. Ein Treffen mit tödlichen Folgen.

Spielbergs Film nach einem Drehbuch von Tony Kushner («Engel in Amerika») rückt die Konflikte zwischen Einwanderern und Alteingesessenen noch mehr in den Fokus als im Original, mit all den Vorurteilen und Fragen: Wo bin ich daheim? Wem gehört das Quartier? Sonst hält sich Spielberg eng an die Vorlage, mit burschikosen Tanzszenen und solidem Gesang. Die Schauspieler singen ihre Parts selbst, im Original waren es noch Doubles.

Das halbstarke Machogehabe wirkt aus heutiger Sicht reichlich passé. Dazu ist die Liebesgeschichte überhastet: Tony und Maria haben sich kaum kennengelernt, schon küssen sie sich – und Stunden später wollen sie durchbrennen. Diese Instantliebe verhindert, dass man mit den beiden richtig mitfühlen kann, zumal der Funke zwischen Ansel Elgort («Baby Driver») und der unbekannten Rachel Zegler nur mässig zündet. Elgort wirkt als feuriger Romeo fehlbesetzt.

So ist Spielbergs Film letztlich eine hübsche Fingerübung, mehr nicht. Aber eine, die sich immerhin Hoffnung bei der kommenden Oscarverleihung machen darf: «West Side Story» ist nominiert für 7 Oscars, unter anderem für den besten Film und die beste Regie. 

West Side Story ★★★☆☆

Disney+ | Filmmusical

Mit Ansel Elgort, Rachel Zegler, David Alvarez

USA 2021, ab 2. März 2022

Von Antonio Gattoni am 21. Februar 2022 - 14:12 Uhr
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