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The Beatles: Get Back – Come Together zum Abschied

Peter Jackson gibt in der Dokuserie «The Beatles: Get Back» einen Einblick, wie die «Fab Four» Musik komponierten.

(L-R): Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr and John Lennon in THE BEATLES: GET BACK. Photo by Linda McCartney. © 2020 Apple Corps Ltd. All Rights Reserved.

Live-Jam: Die vier Beatles im Aufnahmestudio in London.

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«John ist wieder mal zu spät», sagt Paul McCartney und zupft leicht verärgert an seiner Bassgitarre. Die Beatles sitzen im Kreis in einem Filmstudio in London. Es ist Januar 1969, und sie wollen eine Liveshow fürs Fernsehen vorbereiten, ihre erste seit drei Jahren: mit einem Album und 14 brandneuen Songs, gefilmt von einem TV-Team. 

McCartney stimmt einen Song an, schrammelt auf der Gitarre. Es ist nur ein Gefühl, ein Fragment. Ringo klatscht, George liefert Akkorde, Paul feilt stimmlich weiter, bis «Get Back» Konturen annimmt. Tage später ist der Song ausgereift, Lennon schlägt Änderungen im Songablauf vor, McCartney passt den Text an.  

Die Szenen stammen aus «Get Back», der dreiteiligen Mini-Dokuserie, die auf Disney+ zu sehen ist. Sie gibt einen einzigartigen Einblick in die kreative Dynamik der Fab Four und ihre Konflikte, die dafür sorgten, dass sie sich 1970 trennten. Peter Jackson hat dafür 60 Stunden Material gesichtet und auf 8 Stunden kondensiert. Die Originalbilder sind eine Art Überschuss zum Film «Let It Be» (1970) von Michael Lindsay-Hogg. Im Gegensatz zum eher trennungsorientierten Film hat die Serie einen positiveren Groove.

So scherzen die vier, tanzen, äffen Akzente nach, proben Songs mit ständig neuen Inputs, reden über ihre Differenzen. McCartney gibt den Ton an, treibt vorwärts, Lennon spinnt mit, Harrison meckert kreativ, und Starr ist der ruhige Pol. Es wird aber auch klar, dass Lennon bald seinen Soloweg gehen wird, zumal Yoko Ono ständig an seiner Seite ist. Harrison verlässt einmal kurz die Session, redet von einer Scheidung. Als Höhepunkt gehört auch das ganze Abschiedskonzert der vier auf dem Dach ihres Apple-Studios in der Savile Row dazu. 

Der Neuseeländer Peter Jackson (60) ist kein Neuling im Dok-Genre. Nach seiner 15-jährigen Arbeit an «Herr der Ringe» und «King Kong» hatte er genug von Grossproduktionen und drehte 2018 zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs den Dok «They Shall Not Grow Old». Darin setzt er aus Archivmaterial, das er aufwendig digital restauriert hat, eine beklemmende Innenansicht des Krieges aus der Sicht der Soldaten zusammen. 

Mit ähnlicher Akribie hat sich der Beatles-Fan nun der legendären Popband gewidmet. «Es war schon immer ein Traum von mir, in einer Ecke des Studios zu sitzen und zuzusehen, wie die Beatles ihre Lieder komponieren.» Vier Jahre
arbeitete er an dieser Doku, mischte auch das Audiomaterial neu ab und holte dabei die Unterstützung der noch lebenden zwei Beatles-Mitglieder und von Yoko Ono. 

Das Resultat ist phantastisch! Die Serie gibt die Magie wieder, die einen Song entstehen lässt: Momente von Kameradschaft, Kreativität, Spass, Streit, individueller Genialität. Vielleicht auch, weil die vier wieder mal zusammen jammten, ohne technischen Overkill. Es ist, als ob man der Musik beim Wachsen zusähe.

The Beatles: Get Back ★★★★★

Disney+ | Dokuserie Mit John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr, George Harrison, Yoko Ono, Regie: Peter Jackson

«Don’t Let Me Down» in 3 Teilen

GB/NZL 2021, ab 25./26./27. 11.

Von Antonio Gattoni am 2. November 2021 - 13:40 Uhr
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