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«Reality Shore» auf Oneplus

Fummeln, züngeln, Koma-saufen

«Reality Shore» ist die erste Eigenproduktion des Schweizer Streamingdienstes Oneplus. Diese Show soll uns zeigen, wie man richtig Party macht. Na dann, Prost.

Sieben der partyfreudigen Bewohner von «Reality Shore».

Sieben der partyfreudigen Bewohner von «Reality Shore»: Yasin, Jessy, Walentina (vorne), Bellydah, Emanuel, Jessica und Nic (v.l.).  

«oneplus»

Wir sind total verwöhnt, wenn es um Trash-TV geht. «Bachelor», «Bachelorette», «Temptation Island», «Love Island», «Adam sucht Eva» und wie die Kuppel-Formate aus Deutschland und der Schweiz auch heissen – sie alle können wir uns bis zum Gehtnichtmehr reinziehen. Dabei ergötzen wir uns an Peinlichkeiten, zeigen mit dem Finger auf besonders behämmerte Möchtegern-Sternchen und schämen uns fremd bis zur nächsten Rose, oder dem nächsten, viel zu nassen Zungenkuss. 

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Und nun kommt also «Reality Shore» – der erste deutschsprachige Ableger des «Shore»-Franchise. Und soll das Trash-Genre in neue Höhen, äh … Tiefen stürzen. Das Konzept: Acht wilde Partymacher und Feiergirls werden mehrere Wochen lang in einer Villa einquartiert, in der der Vorrat an Alkohol und Kondomen nie ausgeht. Konzept beendet. Und ja, es wird so schlimm, wie man befürchten muss. 

Wir erinnern uns an das prominente Original «Jersey Shore» (2009–2012), in welchem Snooki, JWoww, Pauly D & Co. dem TV-Publikum vorlebten, wie man Party macht, und wie man einen Kater richtig bekämpft (indem man einfach weitertrinkt). Beinahe noch lustiger war der britische Ableger «Geordie Shore» (ab 2011), da füllten sich Charlotte, Chloe, Gary & Co. täglich die Lampe, mit dem Unterschied, dass man deren Englisch auch kaum verstand, wenn sie nüchtern waren. Das gab dem Ganzen einen herrlich surrealen Touch. 

Alles andere als surreal will nun «Reality Shore» sein. Obwohl das Format genauso wenig mit Reality wie auch mit Sobriety zu tun hat. In Folge eins treffen wir auf einige rezyklierte Figuren aus «Bachelor» (die drall-dreiste Bellydah) und «Bachelorette» (FKK-Fan Emanuel), deren Gesichter einem zwar bekannt vorkommen, die aber in der Zwischenzeit wohl einige Ein- bzw. Übergriffe über sich ergehen liessen. Vor allem erstere (sie nennt sich nur noch Belly) macht schnell klar, was man von ihr erwarten kann. Über Mitkandidat Yasin (30, bekannt von «Temptation Island») sagt sie nach dem ersten Treffen: «Er gfallt mier, ich will mit ihm bumse, figge, vögle – alles mitenand.» Ach ja, man hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wohl gesagt, sie sollen Hochdeutsch reden, ab einem Promill wird die Artikulation aber zunehmend schwerfällig. 

Wer sonst noch dabei ist? Niko (25) aus Mönchengladbach, der sich als sapiosexuell bezeichnet. Zu Deutsch bedeutet dies, dass er sich von intelligenten Menschen angezogen fühlt. Da hätte er sich lieber bei den SRF-Sternstunden beworben. Jessica (25) hofft, dass man sie von Instagram kennt und ist als einzige in einer Beziehung (super Idee). Partygirl Walentina (25) war nicht nur bei «Ex on the Beach» sondern auch noch bei «Are You The One?». Das bis zu den Haarwurzeln tätowierte Model Nic (30) aus Luzern lebt vegan und abstinent – wenn das nur gut kommt. Und da wäre noch Jessy B (26): Sie ist trans und die Normalste von allen. 

Wie in allen gängigen Schmuddelformaten wird zuerst der Kühlschrank geleert und die Hucke gefüllt, über die Bettenverteilung gestritten und mit deepen Lebensweisheiten, die man sich von den Wänden von Klub-Toiletten abgeschaut hat, um sich geschmissen. 

Mia Madisson bei «Reality Shore».

Versucht in der zweiten Folge, die Party zu sprengen: Mia Madisson (25).

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Zum Glück spielen sie in Folge zwei Flaschendrehen, da gibt es immerhin eine nette Ladung Dirty-Talk. Und zum Schluss crasht dann noch eine Bombe namens Mia (25), ihres Zeichens sogar doppelte Ex-«Bachelorette»-Kandidatin, die Party. Die stets auf Krawall gebürstete Aggro-Braut lässt sofort ihre beidseitig implantierten Muskeln spielen. Doch so richtig aufregen mag man sich nicht über die professionelle Spielverderberin. Die einstige Sprengkraft der Partybombe erinnert mehr an einen Blindgänger. Pffff…

Fazit nach zwei Folgen: Am feuchtfröhlichsten geht es im Vorspann ab. Ansonsten wird gegockelt, gestritten, geheult und dumm geschwätzt. Am besten man gönnt sich zwei, drei Kurze auf Ex, dann ist man wenigstens auf dem gleichen Level wie die dauer-lallenden Paaartypiiipel. Prost Nägeli. 

Reality Shore ★★★☆☆

Oneplus | Reality-TV | 1. Staffel
Mit: Bellydah, Mia Madisson, Emanuel etc.

Feuchtfröhlicher Austausch von 
Körperflüssigkeiten und Belanglosigkeiten


CH 2021, ab 17. November 2021 (eine Doppelfolge, 
danach eine Folge wöchentlich)

Von Simone Reich am 16. November 2021 - 09:35 Uhr
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